Was ist eine echte Freundschaft heute noch wert?

Diese Frage stellt sich mir in den letzten Jahren öfters. Gerade in Zeiten von Corona, der Zeit der „sozialen Distanz“ zeigte sich ganz deutlich, wer Deine Freunde sind oder wer sie waren.

Was bedeutet es, wenn heute jemand „Bruder“ oder „Digga“ zu Dir sagt? Steht „Digga“ dann auch hinter Dir, wenn es erforderlich ist? Gibt es heute noch Werte wie Loyalität?

Eine Freundschaft ist für mich wie eine Beziehung, ja fast wie eine Liebesbeziehung. Natürlich nur im übertragenen Sinn. In einer Beziehung steht man zueinander, in guten wie in schlechten Zeiten. Man steht alles miteinander durch. Wenn ich jemanden meine Freundschaft schenke (was bei mir tatsächlich sehr lange dauert), dann bekommt mich der- oder diejenige mit allem was dazu gehört. Quasi mit Haut und Haaren und mit allen Emotionen. Zusammen feiern, dem Wind trotzen, Spaß haben und gemeinsame Erinnerungen schaffen. Aber auch bei dem anderen sein, wenn er am Boden liegt und nicht mehr weiter weiß.

Wenn mich meine Freunde mitten in der Nacht anrufen würden und bräuchten meine Hilfe, dann würde ich mich ins Auto setzen und hinfahren. Das ist für mich selbstverständlich, dass gehört zu einer Freundschaft dazu, das macht eine Freundschaft aus. Auch gehört zu einer Freundschaft dazu, dass man sich alles sagen kann. Natürlich immer mit dem nötigen Respekt voreinander. Aber ich erwarte von meinen guten Freunden, dass sie mir sagen, wenn ich mich mal daneben benommen habe, oder etwas gemacht habe, was in ihren Augen nicht in Ordnung war. Das sollte aber auch auf Gegenseitigkeit beruhen.

Natürlich kommt es auch vor, dass Freundschaften nach Jahren oder sogar nach Jahrzehnten zerbrechen. Auch ich musste das schon das eine oder andere mal erleben. Manchmal ist es einfach so, dass sich jeder in eine andere Richtung entwickelt, oder das sich die Interessen mit den Jahren gegensätzlich entwickelt haben. Man lebt sich, wie man so schön sagt, auseinander. Das ist aber auch okay und dann ist es einfach so. Es gibt diese Weg Begleiter, die nur ein Stück Deines Weges bei Dir sind.

Ich musste aber auch schon Freunde nach Jahren gehen lassen, die mich belogen haben, oder in Zeiten, in denen ich sie am nötigsten gebraucht hätte, nicht da waren. Das ist hart und schmerzt. Aber in dem Fall bin ich tatsächlich auch sehr konsequent. Wer einmal mein Vertrauen missbraucht hat, hat es für immer verloren. Selbst wenn man sich ausspricht, wird das Verhältnis nie mehr so sein, wie es einmal war.

Nach so einem Ereignis bin ich immer kurz davor, niemanden mehr in mein Leben zu lassen und keinem mein Vertrauen zu schenken, denn man wird ja eh wieder verletzt. Dieser Zustand hält aber nie lange an. Dafür sind mir Freunde in meinem Leben, neben meiner Familie, viel zu wichtig und wer weiß, vielleicht würde ich sonst die Chance verpassen, einen tollen neuen Freund zu finden.

Hinterlasse einen Kommentar