Verrückte Welt

„Und dann habe ich gelernt, dass der spirituelle Weg nichts damit zu tun hat, nett und freundlich zu sein. Es geht darum, echt und authentisch zu sein. Grenzen zu haben. Zuerst den eigenen Raum zu ehren und zu respektieren und dann den von anderen. Und in diesem Raum der Selbstfürsorge kann Freundlichkeit ganz von selbst entstehen. Sie fließt einfach – nicht aus Angst, sondern aus Liebe.“ Michelle Olak

Eigentlich bedarf es nach diesem Zitat keiner weiteren Worte. Es entspricht genau meiner Einstellung und meiner Philosophie vom Leben. Allerdings passiert hier gerade so viel Mist, menschlich, wirtschaftlich und politisch, dass es schwierig ist, seiner Linie treu zu bleiben und sich da nicht mit rein ziehen zu lassen. Ich habe das Gefühl, und vielleicht geht es Dir ja auch so, dass sich eine Aufspaltung der Gesellschaft zeigt.

Auf der einen Seite gibt es Menschen, die versuchen einen klaren Blick zu behalten und sich nicht in diesem Strudel mitreißen zu lassen. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die in dem sogenannten Mainstream mitschwimmen, sich Angst machen lassen und gar nicht erst versuchen, Dinge zu hinterfragen. Wird schon alles seine Richtigkeit haben.

Ich versuche auch, einen klaren Blick zu behalten und fokussiert zu bleiben. Es ist aber tatsächlich schwer, gerade wenn man um 20 Uhr die Nachrichten einschaltet. Du wirst von negativen Schlagzeilen geradezu überrollt. Oft kann ich es mir gar nicht bis zum Ende anschauen, für mich ist es manchmal kaum zu ertragen.

Derzeit gibt es auf 5 von 7 Kontinenten Kriege und Konflikte. Aber in den Nachrichten hören wir nur von der Ukraine. Natürlich ist das sehr schlimm, was da passiert, gar keine Frage. Kriege sind immer schlimm und gehen meistens auf Kosten der armen Bevölkerung. Man sagt, wir sollen uns solidarisch mit den Menschen dort zeigen und kalt duschen gehen, aber ist irgendjemand aus Solidarität mit den afghanischen Frauen nicht mehr in die Schule gegangen, nachdem die Taliban nach Abzug der internationalen Truppen jetzt eine absolute Schreckensherrschaft ausüben und Frauen dort gar keine Rechte mehr haben? Menschen werden auf der ganzen Welt unterdrückt und ermordet, aber unser Fokus liegt nur auf der Ukraine. Warum? Weil es so nah an unserer Grenze ist? Weil wir uns akut selber bedroht fühlen? Das kann ich noch nachvollziehen. Was ich allerdings nicht mehr nachvollziehen kann, ist die Doppelmoral unserer Politiker.

Ich habe mich in letzter Zeit viel mit den Themen Obdachlosigkeit und sammeln für Bedürftige beschäftigt und auch aktiv geholfen. Nicht weil gerade Weihnachten ist und unsere Herzen in dieser Zeit sehr offen und spendabel sind, sondern weil ich eben diese Aufspaltung in unserer Gesellschaft sehe.

Beim durch Zippen des Abendprogramms vor ein paar Tagen im Fernsehen sind wir bei der Spendengala für ein Herz für Kinder kurz stehen geblieben. Bei der Verkündigung der eingegangen Spenden ist uns erst mal kurz die Kinnlade nach unten gefallen. Sage und schreibe 24 Millionen Euro sind im Laufe dieses Abends zusammen gekommen. 24 Millionen!!! Diese Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und dann sagte ein Prominenter, der da am Telefon saß und Spenden entgegen nahm, mit nur einem Euro am Tag, bekommt man eine ganze Familie in Madagaskar satt. Dann höre ich, dass die Welthungerhilfe, die übrigens 1962!!! gegründet wurde, (also vor 60 Jahren!!) 2021 77,5 Millionen Euro an Spenden eingenommen hat. Dazu kommen noch 229 Millionen Euro institutionelle Zuschüsse!!! (lt. Jahresbericht Welthungerhilfe) So viele Ausrufezeichen kann ich hier gar nicht setzten. Kann mir das bitte mal einer erklären? Eine Institution, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Eine Institution, die seit 60 Jahren besteht und jedes Jahr Millionen Euro an Spenden einkassiert? Was läuft da schief?? Meine Tochter meinte daraufhin ganz trocken, dass sei doch so gewollt. Und recht hat sie, anders kann ich mir das auch nicht erklären.

Und da sind wir wieder bei der Aufspaltung der Gesellschaft. Im Moment habe ich das Gefühl, es existieren zwei unterschiedliche Welten und diese Aufspaltung schreitet immer rascher voran.

Was also tun? Ich denke, ich werde versuchen auch weiterhin meiner Linie treu zu bleiben, auch weiterhin Dinge kritisch hinterfragen, vielleicht auch mal quer, in eine andere Richtung, denken? Und am Wichtigsten, einfach echt und authentisch bleiben.

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