Was ist eine echte Freundschaft heute noch wert?

Diese Frage stellt sich mir in den letzten Jahren öfters. Gerade in Zeiten von Corona, der Zeit der „sozialen Distanz“ zeigte sich ganz deutlich, wer Deine Freunde sind oder wer sie waren.

Was bedeutet es, wenn heute jemand „Bruder“ oder „Digga“ zu Dir sagt? Steht „Digga“ dann auch hinter Dir, wenn es erforderlich ist? Gibt es heute noch Werte wie Loyalität?

Eine Freundschaft ist für mich wie eine Beziehung, ja fast wie eine Liebesbeziehung. Natürlich nur im übertragenen Sinn. In einer Beziehung steht man zueinander, in guten wie in schlechten Zeiten. Man steht alles miteinander durch. Wenn ich jemanden meine Freundschaft schenke (was bei mir tatsächlich sehr lange dauert), dann bekommt mich der- oder diejenige mit allem was dazu gehört. Quasi mit Haut und Haaren und mit allen Emotionen. Zusammen feiern, dem Wind trotzen, Spaß haben und gemeinsame Erinnerungen schaffen. Aber auch bei dem anderen sein, wenn er am Boden liegt und nicht mehr weiter weiß.

Wenn mich meine Freunde mitten in der Nacht anrufen würden und bräuchten meine Hilfe, dann würde ich mich ins Auto setzen und hinfahren. Das ist für mich selbstverständlich, dass gehört zu einer Freundschaft dazu, das macht eine Freundschaft aus. Auch gehört zu einer Freundschaft dazu, dass man sich alles sagen kann. Natürlich immer mit dem nötigen Respekt voreinander. Aber ich erwarte von meinen guten Freunden, dass sie mir sagen, wenn ich mich mal daneben benommen habe, oder etwas gemacht habe, was in ihren Augen nicht in Ordnung war. Das sollte aber auch auf Gegenseitigkeit beruhen.

Natürlich kommt es auch vor, dass Freundschaften nach Jahren oder sogar nach Jahrzehnten zerbrechen. Auch ich musste das schon das eine oder andere mal erleben. Manchmal ist es einfach so, dass sich jeder in eine andere Richtung entwickelt, oder das sich die Interessen mit den Jahren gegensätzlich entwickelt haben. Man lebt sich, wie man so schön sagt, auseinander. Das ist aber auch okay und dann ist es einfach so. Es gibt diese Weg Begleiter, die nur ein Stück Deines Weges bei Dir sind.

Ich musste aber auch schon Freunde nach Jahren gehen lassen, die mich belogen haben, oder in Zeiten, in denen ich sie am nötigsten gebraucht hätte, nicht da waren. Das ist hart und schmerzt. Aber in dem Fall bin ich tatsächlich auch sehr konsequent. Wer einmal mein Vertrauen missbraucht hat, hat es für immer verloren. Selbst wenn man sich ausspricht, wird das Verhältnis nie mehr so sein, wie es einmal war.

Nach so einem Ereignis bin ich immer kurz davor, niemanden mehr in mein Leben zu lassen und keinem mein Vertrauen zu schenken, denn man wird ja eh wieder verletzt. Dieser Zustand hält aber nie lange an. Dafür sind mir Freunde in meinem Leben, neben meiner Familie, viel zu wichtig und wer weiß, vielleicht würde ich sonst die Chance verpassen, einen tollen neuen Freund zu finden.

Das Leben ist nicht immer Glitzerwasser

Das Leben ist nicht immer Glitzerwasser. Es darf auch ruhig mal etwas trüber und dunkler sein.

In meinem vorherigen Beitrag hab ich ja über die Magie der Rauhnächte geschrieben und das diese Zeit perfekt geeignet ist, um sich mit sich selber zu beschäftigen. Es ist eine Zeit der Ruhe und der Stille. Eigentlich. In unser heutigen, auf Leistung getrimmten Zeit und in einer Zeit, in der wir ständig im Stress stehen, haben wir das anscheinend vergessen. Unsere Vorfahren waren sich dessen noch bewusst. Sie lebten im Einklang MIT der Natur. Wenn sich die Natur zurückzog, um Kraft für das kommenden Jahr zu sammeln, machten die Menschen das auch. Sie nutzen diese Zeit ganz bewusst.

Heute leben wir GEGEN sie. Die Natur ist nicht mehr unser Verbündeter, wir behandeln sie eher wie unseren Feind. Ständig rennen wir der Zeit hinterher und wundern uns, warum die Jahre gefühlt immer kürzer werden. Wir denken, wir sind der Nabel der Welt und alles muss sich uns unterordnen. Nun, dass dem nicht so ist, diese Quittung bekommen wir ja gerade. Wir leben nicht mehr bewusst, sondern unterwerfen uns Terminen und allen möglichen unwichtigen Dingen, aber unsere Bedürfnisse vergessen wir dabei total.

Erst vor ein paar Tagen hatte ich ein sehr gutes Gespräch mit einer meiner ältesten und besten Freundin. Wir haben schon viel gemeinsam erlebt und durchgestanden. Ich weiß nicht, ob es am Alter oder an der Jahreszeit liegt, vielleicht aber auch an beidem. Wie gesagt, diese Jahreszeit ist ja perfekt geeignet, um mal in sein Innerstes zu schauen. Dabei haben wir festgestellt, dass das Leben nicht immer glitzert, oder das Glas halb voll ist. Es darf auch mal halb leer sein. Es ist wichtig, sich seinen Schatten zu stellen. Nur so kann man sie erkennen, bearbeiten und etwas verändern.

Es ist aber auch wichtig, dass man das erkennt und nicht vor seinem halbleeren Glas mit trüben Wasser stehen bleibt. Nimm Dir die Zeit, hinterfrage auch Gegebenheiten. Nur weil alle etwas schon immer so machen, heißt es nicht, dass Du es machen musst und das es richtig ist. Höre auf Deine Intuition und Deine innere Eingebung. Auch das haben wir verlernt. Auf unser Gefühl zu hören. Oft tun wir Dinge oder sagen Ja zu etwas, obwohl sich ein ungutes Gefühl in unserer Bauchgegend breit macht.

Das Bauchgefühl oder Deine innere Intuition. Ja, auf dieses Gefühl sollten wir wieder lernen zu hören. Das bedeutet aber auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Ich weiß aus Erfahrung, dass das nicht immer einfach ist. Aber es gibt Dir ein gutes Gefühl und, was ich noch wichtiger finde: Du kannst Dich ohne schlechtem Gewissen im Spiegel betrachten.

Deswegen ist mein Tipp, gehe einfach mal öfter in die Natur. Schau Dir an, was in der Natur passiert. Versuche wieder eine Verbindung zur Natur zu bekommen. Komme zur Ruhe und lege den Fokus mehr auf Dich und Deine Bedürfnisse. Höre auf Dein Bauchgefühl, sage auch mal Nein und dann….. glitzert es vielleicht auch wieder.

Die Magie der Rauhnächte

Rauhnächte, die magische Zeit zwischen den Jahren. Ein alter Brauch, das Alte abzuschließen und das Neue mit offenen Armen zu empfangen.

Doch woher kommt dieser Brauch, wo hat er seinen Ursprung, was bedeutet der Begriff Rauhnacht und was kann er für Dich bedeuten? Darüber durfte ich am 25.11.2022 einen Vortrag im TherapeutenZentrum Augsburg halten.

Der Begriff Rauhnacht leitet sich von dem Wort „rauh“ für wild und von dem mittelhochdeutschen Wort „ruch“ für pelzig oder haarig ab. Mit diesen Worten beschrieben die Menschen das Aussehen der Geister und Dämonen, die in den Rauhnächten unterwegs waren und ihr Unwesen trieben.

Ursprünglich hießen diese Nächte auch „Rauchnächte“. Es war in dieser Zeit üblich, mit Kräutern zu räuchern, um gute Geister einzuladen und dunkle zu vertreiben.

Diese besondere Zeit zwischen den Jahren, die sogenannte Transitzeit, entstand vermutlich durch die Differenz in der Zeitrechnung des Sonnen- und Mondjahres. Der keltische und der germanische Kalender richtete sich nach den Mondzyklen mit 29,5 Tagen. Ein Jahr hatte nach dieser Rechnung 354 Tage. Das Sonnenjahr besteht aber aus 365 Tagen. Die Kelten und die Germanen fügten einfach 11 Schalttage dazu, die eigentlich gar nicht existent waren. Alle 2,5 Jahre wurde auch noch ein Schaltmonat eingefügt, um den Kalender wieder an das Sonnenjahr anzugleichen. Im deutschsprachigen Raum fand 1582 ein Wechsel zum gregorianischen Kalender statt. Er ist 365 Tage lang und richtet sich nach der Sonne, unser heutiger Kalender.

Die Zeit der Rauhnächte gilt von jeher als besonders magische und heilige Zeit, in denen die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt sind und die Welt der Geister näher an die Welt der Menschen rückt. Die zwölf Nächte stehen symbolisch für die zwölf Monate im darauffolgenden neuen Jahr. Sie sollen die Ereignisse vorhersagen. Deshalb werden sie auch „Los-Nächte“ genannt. (losen = vorhersagen). Die erste Nacht steht für den Januar, die zweite für den Februar usw.

Man geht davon aus, dass die Menschen seit langer Zeit Rituale praktizierten, welche die Zeit der Wintersonnwende begleiteten. Überliefert sind allerdings nur die Geschichten der germanischen Stämme. Diese wurden, auch nur in Teilen, im 13. Jahrhundert in den nordischen Heldensagen aufgeschrieben. Die sogenannten „Lieder Edda“ und der „Prosa Edda“.

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über den Beginn dieser besonderen Zeit. Manche starten mit der Wintersonnwende, dem Julfest, am 21.12., andere dagegen am 24.12. Warum aber der unterschiedliche Beginn? Nun, das liegt daran, dass die Christen das Weihnachtsfest über die Wintersonnwende geschoben haben, um mit der Missionierung leichteres Spiel zu haben. Dadurch verschob sich auch gleichzeitig der Beginn der Rauhnächte.

Es gibt hier aber kein richtig oder falsch, man muss sein Gefühl für sich entscheiden lassen, was sich für einen selber stimmig anfühlt und was in sein Leben passt.

Für die Menschen der damaligen Zeit, deren Leben von den Zyklen der Natur abhing, war die Wintersonnwende von größter Bedeutung. Sie brachte zwar Dunkelheit und Kälte, stellte aber auch einen Wendepunkt dar. Ab dem 21. 12. wurden die Tage wieder länger, das Licht kam zurück und mit ihm auch das neue Leben. Traditionell war der Start der Rauhnächte deswegen auch am 21.12.

Eine Rauhnacht dauert immer von Mitternacht bis Mitternacht. Die Tage, welche auf die Nächte folgen sind genauso wichtig und von Bedeutung.

Allerlei Aberglaube und Mythen ranken sich um die Tage zwischen den Jahren. Sie galten von je her als besonders gefährlich, weil die Geisterwelt so nahe an der Welt der Menschen war. Man durfte die Geister auf keinen Fall erzürnen und so mussten besondere Regeln eingehalten werden. Das Haus musste sauber und ordentlich sein. Auch war es verboten, Wäsche zu waschen und draußen aufzuhängen. Geister konnten sich in der Wäsche verfangen, böse werden oder im schlimmsten Fall sogar im Haus verbleiben. Reiter auf der wilden Jagd konnten die Wäsche von der Leine reißen und gerade Leinentücher als Leichentücher verwenden. Auch war es untersagt, Karten zu spielen.

Das Christentum übernahm allerlei Bräuche aus der damaligen Zeit. Dazu gehört auch der Brauch des Räucherns. Heute wird immer noch in der katholischen Kirche durch einen Priester fleißig das Weihrauchfass geschwenkt.

Auch der Brauch des Geistervertreibens ist heute noch in einigen Teilen Deutschlands üblich. Gerade in Bayern werden zwischen dem 24.12. und dem 06.01. von verkleideten Zottelgestalten die bösen Geister vertrieben.

Seherinnen machten sich diese besondere magische Zeit zu Nutze. Es wurden Runen befragt und in Eingeweiden von Tier- aber auch von Menschenopfern nach Hinweisen für Prognosen und Vorhersagen gesucht. Heute benutzt man dafür doch lieber die Orakelkarten.

Man ist sich sehr sicher, dass die Menschen während der Rauhnächte aktiv mit ihren Ahnen kommuniziert haben. Die Schleier zur anderen Welt lichteten sich und so war eine Kommunikation mit den Verstorbenen möglich. Um diese Kommunikation zu erleichtern, versetzten sich z.B. die Germanen in einen Rauschzustand. Sie benutzten hierfür psychoaktive Pflanzen wie den Fliegenpilz. (Nicht zur Nachahmung empfohlen!)

Die Rituale und Mythen der Rauhnächte haben die gesamte sogenannte Zivilisationsgeschichte überdauert. Dabei haben sie sich natürlich verändert und wurden „angepasst“. Lebten die Menschen damals noch mit der Natur, geriet diese Verbundenheit im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Immer größer werdende Städte wurden gebaut und zur Zeit der Inquisition wurden tausende Seherinnen als angebliche Hexen verbrannt. Viele Verbote in den Rauhnächten dienten später auch eher der Kirche und dem Patriachat, als dem Schutz der Menschen.

Trotz Missionierung und Hexenverbrennungen hat es die katholische Kirche jedoch nie ganz geschafft, diese besondere Zeit mit ihrer besonderen Magie ganz auszulöschen.

Seit einigen Jahren erleben die Rauhnächte eine Art Comeback. Wahrscheinlich ist es die Sehnsucht der Menschen nach ein bisschen Ruhe in unserer hektischen und auf Leistung getrimmten Zeit. Die Zeit zwischen den Jahren ist eine Zeit der Stille und des zur Ruhe kommen. Wir können in unser Innerstes blicken, auf das vergangene Jahr zurückschauen und einen Blick auf das kommende Jahr werfen. Wenn wir uns dessen bewusst werden, haben wir die Möglichkeit, durch Loslassen und Reinigung, das neue Jahr positiv mit zu gestalten.

Offene Angelegenheiten zu klären, Rechnungen und Schulden zu begleichen, Ausgeliehenes zurückzugeben, aufräumen und Rückschau auf das alte Jahr zu halten, könnten Vorbereitungen auf die kommenden Rauhnächte sein. Wenn Du Ballast los wirst, hast Du die Gelegenheit frei in das neue Jahr zu starten. Wer Altes loslässt schafft Raum für Neues.

Während der Rauhnächte gibt es unterschiedliche Rituale, wie z.B. das Räuchern, orakeln mit Orakelkarten oder auch ein Tagebuch zu schreiben. Jeder muss für sich selber entscheiden, wofür man Zeit und Energie hat. Das Begehen der Rauhnächte soll dir gut tun. Wichtig ist allerdings, dass Du Dich ein paar Minuten am Tag zurück ziehen kannst, um zu meditieren, zu reflektieren oder auch Deine Gedanken und Deine Träume in Deinem Tagebuch aufzuschreiben.

Wenn Du Dich für die Rauhnächte entscheidest, ist es wichtig, auch den Schatten und der Dunkelheit Beachtung zu schenken. Auch darum geht es in den Rauhnächten. Es ist unerlässlich, sich auch die unschönen Seiten zu betrachten. Dann hast Du die Möglichkeit, sie zu bearbeiten und gehen zu lassen. Nur so kannst Du in Deinem Leben eine Veränderung bewirken.

Ich nutze die Rauhnächte, als eine Zeit für mich, um zur Ruhe zu kommen, zu meditieren, Altlasten loszuwerden und das kommende Jahr zu gestalten. Du kannst für Dich entscheiden, wie Du die Rauhnächte nutzt, schau einfach was in Dein Leben passt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass wir in der Ruhe in diesen besonderen Tagen, eine tiefe Verbindung zu uns selber wahrnehmen und das finden können, was eigentlich schon immer in uns ist und schon immer in uns war . Eine tiefe Verbundenheit zur Natur und zu unseren eigenen intuitiven Eingebungen.

„Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur schreibenden Waldhexe“

Als ich 1969 im schönen Birkenfeld/Nahe, nahe der französischen Grenze geboren wurde, ahnte noch niemand, wo denn mein Weg so hinführen würde.

Mit Frankreich habe ich aber tatsächlich nichts am Hut. Mich hat es schon immer eher in die nordischen Länder gezogen. Dänemark, Schweden und Schottland stehen bei mir ganz hoch im Kurs.

Eigentlich verlief mein Weg recht klassisch. Grundschule, Realschule, mittlere Reife und dann sofort in eine Ausbildung, damit das „Mädel“ untergebracht ist. Ich war noch nie das typische Mädchen und was alle gut fanden, fand ich erstmal blöd und war dagegen. Klar auch, dass ich mit so einer Einstellung nicht die Beliebteste in der Klasse war. Auch wenn ich oft das Mobbing Opfer wurde, hatte ich meine Freunde und auf die konnte ich mich zu Hundertprozent verlassen.

Klassisch ging es für mich auch beruflich weiter, mit einer Ausbildung zur Arzthelferin. Dabei war mein ursprünglicher Plan eigentlich, Goldschmiedin zu werden. Daraus wurde dank Lehrstellenmangels aber leider nichts. Und damals gab es sowas wie ein Jahr Auszeit nehmen oder „erstmal schauen“ nicht, zumindest nicht in meiner Familie. Wenn ich so zurückdenke, war ich mit der Wahl nicht glücklich. Es hat mir Spaß gemacht, Blut abzunehmen und im Labor zu arbeiten. Aber das war es auch schon.

Ganze neun Jahre habe ich es in der gleichen internistischen Praxis ausgehalten, in der ich 1986 meine Ausbildung gestartet hatte. Als ich es dann gewagt habe, zu kündigen, übrigens hauptsächlich wegen einer Kollegin, die uns alle terrorisiert hatte, und ich das meinem Chef auch noch gesagt habe, waren die letzten Wochen für mich kein Zuckerschlecken mehr. Denn nach Ansicht meines Chefs wurde man entweder schwanger oder man wurde gekündigt. Aber selber kündigen ging gar nicht. Nun ja, auch diese Zeit ging vorbei und ich habe dann 1995 eine Stelle als Organisationsassistentin im Klinikum Augsburg auf der Hämatologisch-Onkologischen Station angenommen.

1997 habe ich nach drei Jahre „zusammen sein“ den besten Mann der Welt geheiratet. Mit ihm habe ich drei wundervolle Kinder bekommen, Fabian ist im Jahr 2000, Rebecca 2004 und Tabea 2005 auf die Welt gekommen. Ich kann mir keinen verständnisvolleren Mann vorstellen, der mich und meine „spinnerden Ideen“ ohne mit der Wimper zu zucken so liebt und nimmt. Die Zeit zu Hause habe ich ganz bewusst den Kindern gewidmet. Ich habe jede Minute genossen und versucht, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen. Gearbeitet habe ich nur stundenweise und so, dass meine Mama auf die Kids aufpassen konnte. Da war das Putzen in einer Bank, als Arzthelferin bei einem cholerischen Arzt oder das Regale einräumen beim Drogeriemarkt Müller.

2011 habe ich dann wieder Halbtags im Klinikum in der Hauptaufnahme angefangen. Es war okay, ich habe Geld verdient und gearbeitet. Allerdings war es dort der pure Stress und glücklich war ich überhaupt nicht. Aber wie das so ist, ich war seit fast zwanzig Jahren dort angestellt und so eine Stelle „gibt man nicht so einfach auf“. Das hab ich mir zumindest immer eingeredet.

Der große Wendepunkt und eine der dunkelsten Zeiten in meinem Leben war, als im Dezember 2014 meine Mama gestorben ist. Aber sie ist nicht einfach so gestorben, nein. Wir als Familie mussten entscheiden, dass die Apparate, an denen sie nach einem Herzstillstand hing und die sie am Leben erhalten haben, abgeschaltet wurden. Diese Entscheidung treffen zu müssen, war das Schwerste, was ich bisher in meinem Leben machen musste. Ich brauchte sehr lange, um mit diesem Verlust klar zu kommen und auch heute, fast acht Jahre danach, vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke.

Lange Zeit war ich auch der festen Überzeugung, dass mich die Trauer davon abhielt, wieder in der Klinik zu arbeiten, in der ich meine Mama verloren hatte (was Anfangs auch sicher so war). Doch mit der Zeit erkannte ich, dass es die Arbeit an sich war. Ich konnte und wollte nie mehr in meinem erlernten und nie gewollten Beruf arbeiten. Doch die Kraft zu kündigen hatte ich auch nicht. Erst eine Hypnose Sitzung, bei unserem mittlerweile guten Freund Keith, löste diese Blockade und ohne zu wissen, wie es weitergehen sollte, kündigte ich meine Stelle im Krankenhaus. Es war bis heute die beste Entscheidung. Mir fiel ein ganzes Gebirge von den Schultern und ich fühlte mich endlich frei. Auch in dieser Zeit war mein Mann immer an meiner Seite und unterstützte mich in allem, was ich tat. Es kam nie ein „jetzt reiß dich mal zusammen“ oder ähnliches. Das war für mich so wertvoll und die Unterstützung unbezahlbar.

Die Liebe zur Natur und deren Schutz war bei mir schon immer sehr ausgeprägt. Als Teenager unterstützte ich den WWF, benutzte Recyclingpapier und war gegen FCKW. Die Liebe zu den Kräutern und Pflanzen bestand auch eigentlich schon immer, aber das Wissen um deren Verwendung habe ich mir allerdings erst später angeeignet. Nach dem Tod meiner Mama fing ich damit erst richtig an. Ich machte die Ausbildung zur Aromatherapeutin und später noch eine Ausbildung zur Natur- und Umweltpädagogin. Das brachte mir schlussendlich auch den Namen Waldhexe ein. Als ich meine Ausbildungen abgeschlossen hatte sagte meine Freundin zu mir: „So, und jetzt bist du eine Waldhexe mit Zertifikat“.

Doch wie kam das Schreiben dazu. Das kann ich so pauschal gar nicht sagen. Es hat sich im Laufe meines Lebens entwickelt. Ich habe schon immer gerne gelesen. Eigentlich habe ich die Bücher eher verschlungen. Am liebsten natürlich alles, was nicht mit der Realität zu tun hatte, oder Geschichten aus einer anderen Zeit. Mein Büchereiausweis war also im Dauereinsatz. Selber schreiben kam mir erst später in den Sinn, aber so richtig getraut habe ich mich erst, als ich anfing, für unseren Tauchclub Artikel zu schreiben. Allerdings waren das in der Regel sauber geschriebene Zeilen, gut recherchiert und ohne große Emotionen.

Es gibt ein Sprichwort: „Wenn Gott liebt, dem schenkt er Prüfungen“. Ich denke, Gott muss mich sehr lieben, den 2019 kam für mich der nächste große Wendepunkt in meinem Leben. Mein Bruder verstarb nach 12 Wochen Kampf gegen eine plötzlich aufgetretene Autoimmunerkrankung. Im Gegensatz zu meiner Mama konnte er aber noch selber entscheiden. Er hat sich für den Tod entschieden und hat seine Maschinen abschalten lassen. Es hat lange gedauert, bis ich das akzeptieren konnte. Nicht nur, dass er gestorben ist, sondern die Art und Weise, die zu dieser Autoimmunerkrankung geführt hat und das er für sich nur noch diesen Ausweg sah. Aber das ist eine eigene Geschichte und vielleicht schreibe ich sie auch einmal auf.

Ich war schon vorher immer der Überzeugung, dass mehr existiert, als wir uns zwischen Himmel und Erde vorstellen können. Vielleicht sogar Elfen und Feen, wer kann das schon mit Sicherheit sagen. Warum auch nicht, wir glauben an einen Gott, dessen Existenz nicht bewiesen ist und den noch niemand gesehen hat. Also warum nicht auch Elfen und Feen? Des Öfteren werde ich dafür belächelt, aber das ist mir eigentlich mittlerweile egal. Ich finde anders sein gut. Es gibt genug Menschen auf diesem Planeten, die mit dem Strom mitschwimmen und keine eigene Meinung haben. Manche meiner Gedanken habe ich in Form von Gedichten aufs Papier gebracht und habe mich sogar getraut, an Wettbewerben teilzunehmen. Ich habe zwar nichts gewonnen, in Form eines Preises, aber für mich war schon alleine das Einschicken ein großer Gewinn, mich zu trauen, mich zu zeigen.

Heute schreibe ich an diesem Blogartikel. Auch das ist wieder ein großer Schritt für mich. Es ist nicht wichtig, wie viele Leute das lesen (schön wäre es natürlich, wenn es viele lesen), aber für mich geht es darum, dass ich ins Tun gekommen bin. Ich habe schon seit vielen Jahren diese Vision von einem eigene Blog und jetzt war es an der Zeit, diese Vision zu verwirklichen. Beruflich bin ich eher der kleine „Pixelkacker“. Ich betreue Homepages, schreibe dafür Beiträge und korrigiere Blogartikel und Newsletter. Hier in diesem Blog möchte ich aber beides vereinen, die Liebe zur Natur und zum Schreiben.