„Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur schreibenden Waldhexe“

Als ich 1969 im schönen Birkenfeld/Nahe, nahe der französischen Grenze geboren wurde, ahnte noch niemand, wo denn mein Weg so hinführen würde.

Mit Frankreich habe ich aber tatsächlich nichts am Hut. Mich hat es schon immer eher in die nordischen Länder gezogen. Dänemark, Schweden und Schottland stehen bei mir ganz hoch im Kurs.

Eigentlich verlief mein Weg recht klassisch. Grundschule, Realschule, mittlere Reife und dann sofort in eine Ausbildung, damit das „Mädel“ untergebracht ist. Ich war noch nie das typische Mädchen und was alle gut fanden, fand ich erstmal blöd und war dagegen. Klar auch, dass ich mit so einer Einstellung nicht die Beliebteste in der Klasse war. Auch wenn ich oft das Mobbing Opfer wurde, hatte ich meine Freunde und auf die konnte ich mich zu Hundertprozent verlassen.

Klassisch ging es für mich auch beruflich weiter, mit einer Ausbildung zur Arzthelferin. Dabei war mein ursprünglicher Plan eigentlich, Goldschmiedin zu werden. Daraus wurde dank Lehrstellenmangels aber leider nichts. Und damals gab es sowas wie ein Jahr Auszeit nehmen oder „erstmal schauen“ nicht, zumindest nicht in meiner Familie. Wenn ich so zurückdenke, war ich mit der Wahl nicht glücklich. Es hat mir Spaß gemacht, Blut abzunehmen und im Labor zu arbeiten. Aber das war es auch schon.

Ganze neun Jahre habe ich es in der gleichen internistischen Praxis ausgehalten, in der ich 1986 meine Ausbildung gestartet hatte. Als ich es dann gewagt habe, zu kündigen, übrigens hauptsächlich wegen einer Kollegin, die uns alle terrorisiert hatte, und ich das meinem Chef auch noch gesagt habe, waren die letzten Wochen für mich kein Zuckerschlecken mehr. Denn nach Ansicht meines Chefs wurde man entweder schwanger oder man wurde gekündigt. Aber selber kündigen ging gar nicht. Nun ja, auch diese Zeit ging vorbei und ich habe dann 1995 eine Stelle als Organisationsassistentin im Klinikum Augsburg auf der Hämatologisch-Onkologischen Station angenommen.

1997 habe ich nach drei Jahre „zusammen sein“ den besten Mann der Welt geheiratet. Mit ihm habe ich drei wundervolle Kinder bekommen, Fabian ist im Jahr 2000, Rebecca 2004 und Tabea 2005 auf die Welt gekommen. Ich kann mir keinen verständnisvolleren Mann vorstellen, der mich und meine „spinnerden Ideen“ ohne mit der Wimper zu zucken so liebt und nimmt. Die Zeit zu Hause habe ich ganz bewusst den Kindern gewidmet. Ich habe jede Minute genossen und versucht, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen. Gearbeitet habe ich nur stundenweise und so, dass meine Mama auf die Kids aufpassen konnte. Da war das Putzen in einer Bank, als Arzthelferin bei einem cholerischen Arzt oder das Regale einräumen beim Drogeriemarkt Müller.

2011 habe ich dann wieder Halbtags im Klinikum in der Hauptaufnahme angefangen. Es war okay, ich habe Geld verdient und gearbeitet. Allerdings war es dort der pure Stress und glücklich war ich überhaupt nicht. Aber wie das so ist, ich war seit fast zwanzig Jahren dort angestellt und so eine Stelle „gibt man nicht so einfach auf“. Das hab ich mir zumindest immer eingeredet.

Der große Wendepunkt und eine der dunkelsten Zeiten in meinem Leben war, als im Dezember 2014 meine Mama gestorben ist. Aber sie ist nicht einfach so gestorben, nein. Wir als Familie mussten entscheiden, dass die Apparate, an denen sie nach einem Herzstillstand hing und die sie am Leben erhalten haben, abgeschaltet wurden. Diese Entscheidung treffen zu müssen, war das Schwerste, was ich bisher in meinem Leben machen musste. Ich brauchte sehr lange, um mit diesem Verlust klar zu kommen und auch heute, fast acht Jahre danach, vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke.

Lange Zeit war ich auch der festen Überzeugung, dass mich die Trauer davon abhielt, wieder in der Klinik zu arbeiten, in der ich meine Mama verloren hatte (was Anfangs auch sicher so war). Doch mit der Zeit erkannte ich, dass es die Arbeit an sich war. Ich konnte und wollte nie mehr in meinem erlernten und nie gewollten Beruf arbeiten. Doch die Kraft zu kündigen hatte ich auch nicht. Erst eine Hypnose Sitzung, bei unserem mittlerweile guten Freund Keith, löste diese Blockade und ohne zu wissen, wie es weitergehen sollte, kündigte ich meine Stelle im Krankenhaus. Es war bis heute die beste Entscheidung. Mir fiel ein ganzes Gebirge von den Schultern und ich fühlte mich endlich frei. Auch in dieser Zeit war mein Mann immer an meiner Seite und unterstützte mich in allem, was ich tat. Es kam nie ein „jetzt reiß dich mal zusammen“ oder ähnliches. Das war für mich so wertvoll und die Unterstützung unbezahlbar.

Die Liebe zur Natur und deren Schutz war bei mir schon immer sehr ausgeprägt. Als Teenager unterstützte ich den WWF, benutzte Recyclingpapier und war gegen FCKW. Die Liebe zu den Kräutern und Pflanzen bestand auch eigentlich schon immer, aber das Wissen um deren Verwendung habe ich mir allerdings erst später angeeignet. Nach dem Tod meiner Mama fing ich damit erst richtig an. Ich machte die Ausbildung zur Aromatherapeutin und später noch eine Ausbildung zur Natur- und Umweltpädagogin. Das brachte mir schlussendlich auch den Namen Waldhexe ein. Als ich meine Ausbildungen abgeschlossen hatte sagte meine Freundin zu mir: „So, und jetzt bist du eine Waldhexe mit Zertifikat“.

Doch wie kam das Schreiben dazu. Das kann ich so pauschal gar nicht sagen. Es hat sich im Laufe meines Lebens entwickelt. Ich habe schon immer gerne gelesen. Eigentlich habe ich die Bücher eher verschlungen. Am liebsten natürlich alles, was nicht mit der Realität zu tun hatte, oder Geschichten aus einer anderen Zeit. Mein Büchereiausweis war also im Dauereinsatz. Selber schreiben kam mir erst später in den Sinn, aber so richtig getraut habe ich mich erst, als ich anfing, für unseren Tauchclub Artikel zu schreiben. Allerdings waren das in der Regel sauber geschriebene Zeilen, gut recherchiert und ohne große Emotionen.

Es gibt ein Sprichwort: „Wenn Gott liebt, dem schenkt er Prüfungen“. Ich denke, Gott muss mich sehr lieben, den 2019 kam für mich der nächste große Wendepunkt in meinem Leben. Mein Bruder verstarb nach 12 Wochen Kampf gegen eine plötzlich aufgetretene Autoimmunerkrankung. Im Gegensatz zu meiner Mama konnte er aber noch selber entscheiden. Er hat sich für den Tod entschieden und hat seine Maschinen abschalten lassen. Es hat lange gedauert, bis ich das akzeptieren konnte. Nicht nur, dass er gestorben ist, sondern die Art und Weise, die zu dieser Autoimmunerkrankung geführt hat und das er für sich nur noch diesen Ausweg sah. Aber das ist eine eigene Geschichte und vielleicht schreibe ich sie auch einmal auf.

Ich war schon vorher immer der Überzeugung, dass mehr existiert, als wir uns zwischen Himmel und Erde vorstellen können. Vielleicht sogar Elfen und Feen, wer kann das schon mit Sicherheit sagen. Warum auch nicht, wir glauben an einen Gott, dessen Existenz nicht bewiesen ist und den noch niemand gesehen hat. Also warum nicht auch Elfen und Feen? Des Öfteren werde ich dafür belächelt, aber das ist mir eigentlich mittlerweile egal. Ich finde anders sein gut. Es gibt genug Menschen auf diesem Planeten, die mit dem Strom mitschwimmen und keine eigene Meinung haben. Manche meiner Gedanken habe ich in Form von Gedichten aufs Papier gebracht und habe mich sogar getraut, an Wettbewerben teilzunehmen. Ich habe zwar nichts gewonnen, in Form eines Preises, aber für mich war schon alleine das Einschicken ein großer Gewinn, mich zu trauen, mich zu zeigen.

Heute schreibe ich an diesem Blogartikel. Auch das ist wieder ein großer Schritt für mich. Es ist nicht wichtig, wie viele Leute das lesen (schön wäre es natürlich, wenn es viele lesen), aber für mich geht es darum, dass ich ins Tun gekommen bin. Ich habe schon seit vielen Jahren diese Vision von einem eigene Blog und jetzt war es an der Zeit, diese Vision zu verwirklichen. Beruflich bin ich eher der kleine „Pixelkacker“. Ich betreue Homepages, schreibe dafür Beiträge und korrigiere Blogartikel und Newsletter. Hier in diesem Blog möchte ich aber beides vereinen, die Liebe zur Natur und zum Schreiben.

4 Kommentare zu „„Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur schreibenden Waldhexe“

  1. Hallo Miriam,
    ich finde es so mutig, dass du deine ganz persönliche Geschichte veröffentlichst, so ehrlich und ungeschönt.

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      1. Du hast gewonnen. Ich habe viel über dich erfahren und bin in meine Geschichte zurück, habe Parallelen gefunden, nachgedacht. Das hat dein Text alles ausgelöst. Das ist doch schön, oder.

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